Concierge-Interview Leveille

Concierge-Interview mit Samuel Léveillé

Mittwoch, 9. August 2017 | Dominik Plüss

Das Berufsfeld der Concierges ist vielfältig und spannend. In einer mehrteiligen Serie interviewt das ES Magazine Concierges von Luxushotels.

Samuel Léveillé, in welchem Hotel arbeiten Sie und wie lange sind Sie dort schon als Concierge tätig?

Ich arbeite als Chef-Concierge für das Mandarin Oriental in Genf. Ich begann hier im September 2008, arbeite also schon fast neun Jahre für dieses Hotel.

 

Leben Sie Ihren Beruf nach einem bestimmten Motto?

Ich weiss nicht wirklich, ob man es ein Motto nennen kann, aber ich sage gerne «komme mit einem Lächeln zur Arbeit». Das ist einfach zu machen und verhilft zu einem positiven Start in den Tag, sogar wenn du weisst, dass du einen anstrengenden Tag vor dir hast.

 

Blicken Sie auf eine lange Karriere als Concierge zurück? Wie sieht Ihre berufliche Laufbahn zum Hotelconcierge und zum Mitglied von Les Clefs d’Or aus?

Ursprünglich studierte ich in der Hotel- und Catering-Schule von Saumur in Frankreich. Ich war prädestiniert dazu, Koch zu werden. Nach fünf Jahren Schule hatte ich die Chance, eine Sommersaison in Saint Tropez als «Pooljunge» zu verbringen. Während ich als Pooljunge arbeitete, entdeckte ich Gästeservices wie Gepäckträger, Portier und auch die Conciergerie. Ich beobachtete, wie die Les Clefs d’Or Concierges ihre Uniformen trugen und mit den Gästen interagierten, um das Unmögliche möglich zu machen.

Daher entschied ich, meine Chance zu ergreifen und selbst Concierge zu werden. Einige der Concierges, die ich getroffen habe, teilten ihre Leidenschaft mit mir. Deshalb begann ich, als Nachtconcierge in Nizza zu arbeiten. Dort traf ich auch meinen Mentor. Nach neun Jahren im selben Hotel hatte ich meinen Weg hochgearbeitet zum stellvertretenden Chef-Concierge. Dann zog ich im Jahr 2008 in die Schweiz.

Ich bin ein Mitglied von Les Clefs d’Or seit 2001. Ich bekleidete verschiedene Positionen im französischen Gremium von Les Clefs d’Or (Erster Finanzdirektor, dann Generalsekretär der Les Clefs d’Or Côte d’Azur – Fürstentum Monaco und dann nationaler Berater).

Samuel Leveille

Erzählen Sie uns etwas über den Beruf des Hotelconcierge. Was ist das Spezielle daran, was verbindet Sie mit diesem Beruf?

Die Profession hat sich in den letzten zehn Jahren stark verändert, bleibt aber immer noch die attraktivste Position, wenn man eine privilegierte Interaktion mit den Gästen anstrebt. Concierges bleiben der privilegierte Kontakt zu Hotelgästen. Heutzutage ist der Concierge nicht nur ein Ratgeber für Aktivitäten, Restaurants und Sehenswürdigkeiten, sondern vor allem auch ein «Lösungsfinder».

Die tägliche Herausforderung dieses Berufs ist, dass du nie weisst, welche Fragen die Gäste stellen werden.

Heutzutage müssen Concierge-Teams «verbunden» sein. Die meisten Anfragen erhalten wir per E-Mail. Viele unserer Gäste kommunizieren durch schriftliche Nachrichten. Um die Dienstleistungen für die Gäste im Mandarin Oriental Genf zu implementieren, haben wir eine «WhatsApp»-Gruppe für die Gäste und das Concierge-Team erstellt. Wenn unsere Klienten sich ausserhalb des Hotels aufhalten, bleiben wir dank dieser WhatsApp-Gruppe doch immer in ihrer Nähe.

Es gibt keine «Routine» in der Conciergerie!

 

Was sind für Sie die grössten Vorteile und Nachteile an Ihrem Beruf?

Der grösste Vorteil für mich ist, dass ich die Möglichkeit habe, grossartige Menschen zu treffen, sowohl Gäste als auch Lieferanten. Diese Arbeit ermöglicht es, ein Netzwerk aufzubauen. Dieses ist der Schlüssel zum Erfolg.

Ich liebe meinen Beruf und wie ich es auch meinen jüngeren Kollegen sage, dieser Beruf muss eine Passion sein. Wenn du deine Passion lebst, verbringst du viel Zeit an deinem Arbeitsplatz. Aber gerade weil es eine Passion ist, sehe den grossen Zeitaufwand nicht als Nachteil. Bis jetzt habe ich gar keine Nachteile gefunden!

Mandarin Oriental Geneva Exterieur

Was war der anspruchsvollste Auftrag, den Sie von einem Hotelgast erhalten haben und auch erfüllen konnten?

Im Winter 2009 wollte einer unserer Gäste, dass ich ein Picknick irgendwo in den Bergen mit einem schönen Ausblick organisiere, etwas «Originelles». Ich fand eine Berghütte mit Blick auf den Mont Blanc, 3000 Meter über Meer. Die grösste Herausforderung bei der Organisation des Picknicks war die Logistik. Dummerweise konnte die Hütte nur mit einem Helikopter erreicht werden!

Den kulinarischen Aspekt bildete ein indisches Picknick, dank unserem indischen Fine Dining Restaurant. Schliesslich entschieden wir, die Hütte zu dekorieren, um eine indische Atmosphäre in den Bergen zu kreieren.

Natürlich lehnen wir auch gewisse Aufträge ab. Illegale oder ethisch untragbare Anfragen können durch einen Concierge niemals akzeptiert werden. Ich habe keine Probleme damit, den Gästen die Gründe dafür zu erklären. Es ist wichtig, dass der Concierge eine klare Kommunikation mit seinen Gästen pflegt.

 

Hatten Sie einmal ein prägendes Erlebnis mit einem speziellen Fahrzeug eines Kunden?

Ab und zu hatte ich die Möglichkeit, Fahrzeuge zurück in ihre Herkunftsländer wie die USA, Kroatien oder auch Länder im Nahen Osten zu transportieren. All diese Fahrzeuge waren ziemlich exklusiv (Ferrari, Lamborghini, Porsche etc.). Einmal kümmerte ich mich auch um eines der ersten Modelle des VW New Beetle. Dabei handelte es sich um ein Sammelstück. Für den Gast war es eines der wichtigsten Dinge seines Lebens!

Mandarin Oriental Geneva Interieur

Haben sie den Film „The Grand Hotel Budapest“ gesehen? Was halten Sie davon?

Ja, ich habe ihn gesehen. Es ist ein gutes Bild unseres Berufes vor einigen Jahren. Ich hätte es geliebt, vor 30 oder auch 50 Jahren ein Concierge zu sein, um den Beruf auf eine andere Weise zu erleben. Damals bestand ein echtes Vertrauen zwischen den Gästen und den Concierges. Diese Verbindung wurde über die Jahre beeinträchtigt.

 

Wie stellen Sie sich den Beruf des Concierge in 50 Jahren vor? Was wird sich ändern?

Wie ich zuvor schon sagte, hat sich die Profession der Concierges in den letzten zehn Jahren stark verändert. Ich bin sicher, dass sie sich permanent entwickeln wird. Welche Technologie verwenden wir 50 Jahren in Hotels? Ich weiss es nicht, aber ich bin davon überzeugt, dass der Concierge der privilegierte Kontakt zu Hotelgästen bleiben wird. Er wird einfach neue Technologien nutzen, um mit den Klienten zu kommunizieren.

Natürlich schadet die Technologie zu einem gewissen Grad dem menschlichen Faktor zu einem gewissen Grad. Aber der Concierge kann nicht durch einen Informationsstand mit Touchscreen ersetzt werden. Nichtsdestotrotz sollte Technologie dazu genutzt werden, um die Dienstleistungen für die Gäste zu verbessern!

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