Florian Weidenbach

Concierge-Interview mit Florian Weidenbach

Montag, 15. August 2016 | Benedikt Lüchinger

Das Berufsfeld der Concierges ist eine Welt für sich. Täglich setzen sie sich dafür ein, Hotelgästen das ideale Urlaubserlebnis zu verschaffen. In einer mehrteiligen Serie interviewt das ES Magazine Concierges von Luxushotels, um einen Blick hinter die Kulissen dieser spannenden Tätigkeit zu werfen.

Herr Florian Weidenbach ist Concierge und Vize-Präsident von Les Clefs d’Or Deutschland. Damit verdeutlicht er seine Hingabe zum aussergewöhnlichen Service für die Gäste im Bayerischen Hof in München. Dort erfüllt er seit über zehn Jahren praktisch jeden Wunsch.

Wir hatten die Möglichkeit, uns mit Herrn Weidenbach zu treffen und ihm einige Fragen zu seiner Person und zum Berufsfeld Concierge zu stellen.

In welchem Hotel arbeiten Sie, wie lange sind sie dort schon als Concierge tätig?

Seit 2005 arbeite ich mit einjähriger Unterbrechung als Concierge im Hotel Bayerischer Hof in München.
Seit 2009 als stellvertretender Teamleiter für den gesamten Conciergebereich.

Blue Spa Pool

Leben Sie Ihren Beruf nach einem bestimmten Motto?

Mein Mentor Hans Muderlak hat mir zwei Sätze mit auf den Weg gegeben, die mich bis heute begleiten und mich stark geprägt haben: „Schaue während Deiner Arbeit nie auf die Uhr!“ und: „Halte Augen und Ohren immer offen und höre nie auf zu lernen, denn Wissen ist Dein Kapital.“

Blicken Sie auf eine lange Karriere als Concierge zurück? Wie sieht ihre berufliche Laufbahn zum Hotelconcierge und Vizepräsidenten von Les Clefs d’Or Deutschland aus?

Ich habe meine Ausbildung zum Hotelkaufmann 2001 in einem kleinen Hotel am Hauptbahnhof begonnen. Der Vater meines besten Freundes war dort Direktor, ein Meister der alten Schule; er hat mir beigebracht, wie man Gäste hofiert und besondere Momente für sie kreiert. Über das München Palace Hotel kam ich dann 2005 als Tagesportier in den Bayerischen Hof und war damals der jüngste Concierge Münchens.

2007 wurde ich dann in den Berufsverband der Goldenen Schlüssel übernommen, die höchste Ehre! Nachdem ich für einige Zeit in Bayern als Sektionsleiter tätig war, bin ich 2014 von den deutschen Mitgliedern zum Vizepräsident gewählt worden.

Erzählen Sie uns etwas über den Beruf des Hotelconcierge. Was ist das Spezielle daran, was verbindet Sie mit diesem Beruf?

Es geht in diesem Beruf jeden Tag um alles. Die Gäste erwarten in einem Fünf-Sterne-Hotel nicht nur ein schönes Zimmer, hervorragende Restaurants und einen schönen Spa Bereich, sondern vor allem aussergewöhnlichen Service. Der Hotelconcierge verkörpert diesen aussergewöhnlichen und individualisierten Service wie keine andere Abteilung im Hotel. Wir müssen täglich Topleistung bringen und die Gäste begeistern, denn sonst hat das Hotel keinen Mehrwert durch einen Concierge.

Mich persönlich reizt diese Herausforderung, das Drehbuch ist jeden Tag ein anderes, entscheidend ist, einen Blockbuster daraus entstehen zu lassen. Tag für Tag.

Was sind für Sie die grössten Vorteile und Nachteile an Ihrem Beruf?

Alle Vorteile zu nennen würde den Rahmen sprengen, für mich relevant ist, dass dieser Beruf mir die Voraussetzungen bietet, ihn lange auszuüben. Denn: Er bereitet mir Spass! Die Arbeit mit den Gästen, das Erkennen und Erfüllen der Wünsche, die Dankbarkeit, wenn man es schafft, sie positiv zu überraschen, sowie vor allem täglich neue Herausforderungen machen den Beruf interessant. All dies schafft man nur, wenn man ein starkes Team hat, welches dieselben Ziele verfolgt.

An Tagen wie Weihnachten und wichtigen Feiertagen zu arbeiten, ist ein Nachteil, der jedoch durch ein gutes Team aufgefangen wird. Denn wenn man gerne ins Hotel geht, ist es nur halb so schlimm.

Was war der anspruchsvollste Auftrag, den Sie von einem Hotelgast erhalten haben und auch erfüllen konnten? Lehnen Sie auch Aufträge ab?

Der bisher am schwersten zu realisierende Wunsch war eine private Loge zum Champions League Finale 2012, welcher zwei Wochen vor dem Spiel von einem Gast an mich herangetragen wurde. Die Anfrage reizte mich von Anfang an, denn es schien unmöglich, diesen Wunsch zu erfüllen. Am Ende hat es geklappt, und der Gast hat mit elf Freunden das Spiel in einer privaten Loge in der Allianz Arena erleben können.

Wir lehnen alle Aufträge ab, welche sich im illegalen und moralisch nicht tragbaren Bereich befinden.

Restaurant Garden Salon
© Deidi von Schaewen

Hatten Sie einmal ein prägendes Erlebnis mit einem speziellen Fahrzeug eines Kunden?

Es gibt eine schöne Geschichte von einem Gast aus dem Mittleren Osten vom Heiligen Abend 2005. Da ich als jüngstes Teammitglied das Vergnügen hatte, an diesem Tag Spätdienst zu machen, freute ich mich auf Gäste in Weihnachtsstimmung und ruhigen Betrieb. Gegen 17:00 Uhr, zur Bescherungszeit, kontaktierte mich der Gast mit dem Wunsch, einen Ferrari zu leihen. Wie er mir erklärte, seien ja die Strassen an diesem Tag leer und da kein Schnee liegt, wolle er sich die Zeit vertreiben. Ich kontaktierte also mir bekannte Firmen, die an einem solchen Tag einen Ferrari verleihen, jedoch war keiner bereit, den Kreis der Familie zu verlassen, um ein entsprechendes Auto zu liefern.

Eine junge Dame sagte scherzhaft am Telefon: wenn der Gast kauft, stehe ich sofort bereit, leihen ginge jedoch nicht. Ich kontaktierte den Gast und überbrachte ihm die schlechte Botschaft.

Er sagte nur wie selbstverständlich: „Ok, no problem! I buy!“ 90 Minuten später stand der Ferrari vor der Türe und unser Gast konnte losfahren.

Haben Sie den Film «The Grand Budapest Hotel» gesehen? Was halten Sie davon?

Ich habe den Film mit grosser Begeisterung gesehen, mehrere Male, in deutscher und englischer Sprache. Ein sehr unterhaltsamer Film, welcher auf schöne und zugleich spannende Weise Einblicke in die, nicht immer ganz ernst gemeinte Arbeit und das Netzwerk des Concierge gibt. Viele Zuschauer wurden durch den Film auf das Netzwerk der Goldenen Schlüssel aufmerksam, eine für uns positive Aufmerksamkeit.

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